Presseinformation

 

 

Eine Alternative für Menschen mit Handicap

Integrationsprojekt Café Albers Miteinander stellt ein und bietet Plätze für betreutes Wohnen

 

Hamburg – Februar 2008. Es wird viel getan, um jungen Menschen mit Behinderung die bestmögliche Ausbildung und damit einen Einstieg in die Arbeitswelt zu ermöglichen. Jedoch ist das Angebot sowohl in der Berufsbildung als auch bei den Werkstatt-Betrieben nicht mit der freien Berufswahl für Nichtbehinderte zu vergleichen. Zwar stellen allein die drei städtischen Behindertenwerkstätten an drei Standorten in Hamburg rund 2300 Arbeitsplätze bereit – doch nicht für jeden Schulabgänger sind diese Werkstätten optimal. Zum einen, weil nicht jede Persönlichkeit sich in Großbetriebe reibungslos einfügen kann. Zum anderen, weil Arbeit, Familie und Wohnen vielen oft zu weit auseinander liegen. Für Menschen mit Handicap im Raum Süderelbe und in gut über den ÖPNV angebundenen Stadtteilen im Hamburger Westen gibt es nun eine weitere Alternative: Ein Elternverein hat mit dem Erwerb eines alteingesessenen Café- und Bäckereibetriebes im Alten Land die Voraussetzungen für ganz individuelle Arbeitsplätze geschaffen. Das Café Albers Miteinander in Hamburg-Cranz bietet derzeit vier Betreuten und drei Mitarbeitern des ersten Arbeitsmarktes einen Raum zum Leben und Arbeiten. Nach der Aufbauphase sollen nun bis zu zwölf weitere Betreuten-Arbeitsplätze geschaffen werden.

 

Aus Defiziten Stärken machen

Alles an dem Betrieb in Hamburg-Cranz ist besonders: Die idyllische Lage in einer Siedlung am Estedeich mit Blick auf die Obstwiesen zum Beispiel allein ist für viele schon ein Bewerbungsgrund: „Wir arbeiten da, wo andere Urlaub machen“, sagt Heilpädagoge Razvan Cramarenco. Er und seine Frau Susanne leiten den Betrieb und sind für das anthroposophische pädagogische Konzept verantwortlich. Der Ansatz ist, aus den so genannten Defiziten Stärken zu machen. „Kontinuität und ein geregelter Tagesablauf gehören wie überall in der Behindertenarbeit auch bei uns zum Grundprinzip. Aber viele können zum Beispiel nicht jeden Tag dasselbe machen: Eine Zeit lang wollen sie im Café mit Kunden arbeiten, dann sich vielleicht lieber in die Küche zurückziehen. Bei uns ist das möglich. Und wir haben die Erfahrung gemacht, dass viele Betreute durch Abwechslung produktiver und zufriedener sind, als wenn wir sie zu reinen Spezialisten machen“, so Cramarenco.

 

 


Gute Zeiten, schlechte Zeiten – doch keine Routine

Der Betrieb bietet dazu gute Voraussetzungen. Alle Mitarbeiter durchlaufen in einem Rhythmus von zweieinhalb Monaten alle Stationen – Laden, Café, Küche, Garten und Backstube – und können auch später zwischen diesen Stationen wechseln. Weitere Arbeitsbereiche entstehen im geplanten Streichelzoo und durch kulturelle Veranstaltungen. So gibt es zum Beispiel eine Schattentheater-Bühne für Kinder und bald auch Workshops für alte Handwerkstechniken. Die abwechslungsreichen Aufgaben bieten viele Ansätze für Qualifizierungen. Die Betreuten setzen sich Ziele und werden darin auch geprüft. Es gibt einfachere Ziele, wie etwa das selbsttätige Bedienen der Geschirrspülmaschine, aber auch Qualifizierungen, die langfristig auch eine Einkommensverbesserung ermöglichen und die Perspektiven auf dem ersten Arbeitsmarkt verbessern können. Die Backstube leitet ein engagierter Konditormeister, der auch ausbilden darf. Und wer sich an der Kasse im Laden gut macht, kann sich zum Beispiel in externen Kursen von Handelsunternehmen zum Kassierer fortbilden.

Die Atmosphäre ist beinahe familiär. Man nimmt sich Zeit für das gemeinsame Essen, die Gruppenbesprechungen und die Einzelgespräche. Es gibt gute Tage und schlechte Tage, aber keinen unnötigen Druck und keine Gefahr, in Routine zu erstarren. Die Arbeitszeiten sind gleitend, Urlaub und Auszeiten etwa für externe Weiterbildungsmaßnahmen werden flexibel abgestimmt – ganz nach den individuellen Bedürfnissen des Einzelnen.

 

Kooperation mit Winterhuder Werkstätten macht´s möglich

Für den Einstieg bei Miteinander gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten:

Schulabgänger, die eine reguläre Berufsbildungszeit beginnen wollen, werden zum Beispiel an den Kopperationspartner Winterhuder Werkstätten weitergeleitet, denn nur die städtischen Großbetriebe haben auch die Lizenz für die berufsbildenden Stationen. Nach Abschluss der 28-monatigen Berufsbildungszeit und der anschließenden Prüfung für den Zugang zum so genannten Arbeitsmarkt Zwei können sie in die Werkstattbereiche in Cranz voll einsteigen.

Es besteht aber auch die Möglichkeit,  sofort nach der Schule direkt einzusteigen – wenn der sozialtherapeutische Arbeitsplatz über das so genannte Persönliche Budget finanziert wird. Möglich macht es das vierte Sozialgesetzbuch (SGB IX). Das darin verankerte, trägerübergreifende Persönliche Budget wurde im Juli 2004 bundesweit eingeführt – ist aber in der Praxis noch nicht so verbreitet, wie es sich der Gesetzgeber gewünscht hat. Menschen mit Handicap können über das Persönliche Budget bei den Rehabilitationsträgern für ihre Leistung zur Teilhabe einen Geldbetrag als frei verfügbares Budget statt der bislang üblichen Sachleistung beantragen. Damit können sie seit kurzem selbst entscheiden, welche Hilfen sie wann, wie und durch wen in Anspruch nehmen wollen.


 

Der Mix macht´s – das Persönliche Budget sinnvoll nutzen

Die Mitarbeitersuche ist für den freien Träger nicht einfach. Das Angebot ist noch zu wenig bekannt. Und bei vielen hat sich noch nicht herumgesprochen, dass sie sich bei der Auswahl der Therapie- und Arbeitsplätze auch frei aussuchen können, wohin sie wollen. Viele Behinderte und deren Angehörige wissen das entweder nicht, oder sie haben Schwierigkeiten, ihre Wünsche zu artikulieren. Manche verharren auch einfach in ihrer Situation, weil sie eine Veränderung scheuen. Dabei sind die Vorteile offenkundig: Das Persönliche Budget stärkt die Selbstständigkeit und das Selbstwertgefühl der Behinderten, da sie auf dem Trägermarkt plötzlich Kunden sind, um die geworben wird. Es ermöglicht den Behinderten auch, sich extern Therapie- oder Weiterbildungsangebote dazuzukaufen – so schnürt sich jeder sein individuelles Paket.

Die Aufgabe des Trägers und der Arbeitsagentur besteht dann darin, die Betreuten entsprechend zu beraten und auf Möglichkeiten aufmerksam zu machen. „Wer etwa bei uns im Laden arbeitet und sich mehr zutraut, kann zum Beispiel bei einem Handelsunternehmen Kurse für die Kassiertätigkeit absolvieren. Oder jemand möchte eine spezielle ambulante oder stationäre Therapie nutzen – dann ist es unsere Aufgabe, die Arbeitszeiten darum herum zu stricken“, erklärt Cramarenco.

 

Von Anfang an dabei – und einen Platz für immer finden

Wer sich einmal für den Verein Miteinander entscheiden hat, kann ein Leben lang bleiben – und sogar dort wohnen. Der Verein plant bereits ein Wohnhaus für 16 Menschen mit Handicap auf dem gleichen Grundstück. Für künftige Mitarbeiter wäre der Arbeitsplatz damit quasi im Haus. Noch sind die Wohneinheiten nicht verplant: Wer sich also früh entscheidet, hat gute Chancen.

Menschen mit Handicap, die sich für einen sozialtherapeutischen Arbeitsplatz im Café Albers Miteinander oder für das betreute Wohnen interessieren, können sich vorab auf der Web-Site des Trägervereins informieren (www.vereinmiteinander.de) oder sich direkt an das Team vor Ort wenden. Es besteht jederzeit die Möglichkeit, unverbindlich zu hospitieren oder ein Praktikum zu absolvieren. Der Betrieb ist per Bus von Harburg und Altona aus gut zu erreichen – eine Fähre verbindet zusätzlich mit Blankenese.

Ein Stellenbewerbungsformular kann zugefaxt, gemailt oder von der Web-Site heruntergeladen werden.

 

Weitere Informationen zum Projekt:

Integrative Lebens- und Arbeitsgemeinschaft

Café Albers – Miteinander

Estedeich 66

21129 Hamburg

Tel. 040 / 745 92 21

www.vereinmiteinander.de

www.cafe-albers-miteinander.de


 

Das sagen unsere Mitarbeiter

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 



Fact Sheet

 

 

Verein

Betreiber ist der Verein Integrative Lebens- und Arbeitsgemeinschaft Miteinander im Süderelberaum e.V. Der Verein ist als mildtätig anerkannt (VR 18174 AG Hamburg). Der Träger ist der Förderverein Miteinander im Süderelberaum e.V., ebenfalls als mildtätig anerkannt (VR 17823 AG Hamburg).

 

Die Teilung in Träger und Förderverein hat vor allem rechtliche und organisatorische Gründe. Der Betrieb soll eigenverantwortlich arbeiten können, der Förderverein kümmert sich in erster Linie um die Finanzierung und Sponsoren.

 

Vorstände


Betreiberverein

Razvan Cramarenco

Andreas Kasper

 

 

 

Förderverein

Wolf Gottfried Becker

Werner Hatje

Barbara Heikes

Heide Nädler


Gegründet

2004 unter anderem von Eltern, die selbst behinderte Kinder haben, und von deren Freunden.

 

Ziele

Der Betreiberverein will Wohn- und Arbeitsplätze schaffen für Menschen, die auf Grund ihres körperlichen, seelischen oder geistigen Zustandes auf Hilfe angewiesen sind, insbesondere für Behinderte. Das sozialtherapeutische Konzept basiert auf antroposophischen Grundsätzen und der „Menschenkunde“ Rudolf Steiners.

 

Betrieb

Der Betrieb in Hamburg-Cranz wurde 2006 vom Förderverein erworben. In der hauseigene Backstube stellt Konditormeister Arno Albers unterstützt von Betreuten täglich Brötchen, Brote, Kuchen und Torten her – für den Ladenverkauf, den Cafébetrieb und für die Lieferung an private und gewerbliche Kunden. Der Laden liefert außerdem Waren des täglichen Bedarfs für das Dorf und angrenzende Orte.

Die Gastronomie bietet derzeit rund 100 Plätze innen und einen großen Biergarten mit bis zu 200 Plätzen. Die Räume werden außerdem für kulturelle, öffentliche Veranstaltungen genutzt (Dorfrat, Kindertheater, Lesungen).

 

Mitarbeiter

Derzeit sieben, davon vier Menschen mit Handicap.

 


Finanzierung

Der Erwerb des Betriebes wurde durch Sicherheiten der Gründungsmitglieder und eine Finanzierung der GLS-Gemeinschaftsbank eG mit Ökobank möglich. Die laufenden Kosten und ein Teil der Personalkosten werden über den Zweckbetrieb (Café und Laden) gedeckt. Für Instandsetzungen und Investitionen, wie etwa den behindertengerechten Umbau oder das geplante Wohnhaus für Betreute, ist der Verein aber auf Spender und Sponsoren angewiesen. Eine einfache Fördermitgliedschaft kostet 36 Euro im Jahr.

 

 

Spender und Sponsoren (Auswahl)

Airbus Hamburg (EADS)

Bauwerk Stade

Behrends Consulting

Freiwilligenbörse Hamburg

Hamburger Spendenparlament

Hans und Gretchen Tiedje-Stiftung

Käshammer und G.Richter - Santitärtechnik

Lebensgemeinschaft Richthof Fr. Beusch

Medienpool

SAL-Schiffahrtskontor

Stiftung „Susi-und-Peter-Robinsohn-Fond“ (Kopenhagen)

 


Weitere Informationen:

Miteinander im Süderelberaum e.V

21147 Hamburg _ Schaaphusen 9a

Telefon 040 / 79751641

Email verein_miteinander@yahoo.de

www.vereinmiteinander.de

 

 

Rückfragen der Presse für Kontakte und Bereitstellung druckfähiger Bilder:

 

Oliver Hartwig

CODE | Communication on demand

Estedeich 71 • 21129 Hamburg

hartwig@code-communication.de

Tel.: 040 / 525 96 066